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Rassestandard Kommentierung

Die Interpretation des Standards des Pastore Bergamasco durch den Präsidenten des Italienischen Bergamaskerclubs Luigi Guidobono Cavalchini auf dem ersten internationalen Bergamasker Workshop in Vezza d'Oglio / Italien am 3.Juli 2009

Zusammenfassung und Übersetzung: Jutta Ammann

Die Intention dieser Kommentierung ist, die Bedeutung des italienischen Standards in seiner ursprünglichen Form zu akzentuieren, Unklarheiten zu beseitigen und aktuelle genetische Erkenntnisse einzubeziehen. Richter und Züchter sollen für die wesentlichen typischen Rassemerkmale des Bergamaskers - wie die Bergamasker Hirten ihre Hunde haben wollten - sensibilisiert werden, um Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Grundlage sind folgende Quellen:
Der erste offizielle Standard von 1958 "Caratteri Etnici del Cane da Pastore Bergamasco" frei übersetzt etwa: die Rassemerkmale des Bergamaskers" unter der Federführung von Prof. Giuseppe Solaro

und der zweite offiziellen Standard von 1989 Nr. 24 – 194 unter der Leitung von Dr. Franco Bonetti, der noch heute gültig ist, jedoch in einigen wichtigen Aspekten häufig ‚überlesen' wird, was dazu geführt hat, dass die Rasse eine schleichende Veränderung in Richtung „Hypertypus" mit Übertreibung einzelner Merkmalen erlitten hat.

Zur allgemeinen Erscheinung:
der Bergamasker ist ein mittelgroßer Hund, der die charakteristischen Ausmaße des canis familiaris hat und über eine genetische Struktur verfügt, die sich über Jahrhunderte durch Anpassung an die Umwelt entwickelt hat. Mit Eigenschaften wie guter Fruchtbarkeit, Langlebigkeit und Resistenz gegen Krankheiten.

All dies macht ihn zu einem sehr gesunden Hund.

Zu wichtigen Proportionen:
Übermäßiger Behang an Brust und Hinterteil können zu falschen Beurteilungen führen und können zu lange Exemplare als korrekt quadratisch erscheinen lassen. Durch Ertasten des Brustbeins und der Hinterbacken können wir uns leicht Klarheit über die tatsächlichen Proportionen verschaffen. Der Standard in seiner ersten Version aus dem Jahr 1958 kannte keine Ausnahmen und lautete: "Die Rumpflänge, gemessen zwischen Buggelenk (Gelenk zwischen Schulterblatt und Oberarmbein) und Sitzbeinhöcker (Ischiumspitze), entspricht der Widerristhöhe (der Körper lässt sich demnach mit einem Quadrat umschreiben.

Zu Verhalten und Wesen:
Eine Reihe von Verhaltensweisen dieser Rasse stehen in Zusammenhang mit ihrer Arbeitshaltung. Der PB ist ein Begleithund, der einst zum Treiben von Schaf- und Rinderherden benutzt wurde, in den kalten Monaten in der Po-Ebene und auf den Bergwiesen in der heißen Zeit.

Zum Kopf:
Bei der Länge des Fangs dürfen wir uns nicht von den üppigen Haarsträhnen die über die Augen falle täuschen lassen, ebenso wie von seiner Aufmachung -üppige Fellbüschel vermitteln den Eindruck eines kurzen Fangs und umgekehrt.

Zum Oberkopf:
Der Schädel des Bergamaskers ist leicht, er ist mindestens so lang wie der Fang ..., die Breite entspricht seiner Länge oder ist etwas schmaler. Es ist wichtig, zu "begreifen", was unter dem Fell ist, denn es täuscht und lässt den Schädel viel voluminöser erscheinen als er wirklich ist. Am besten machen wir uns das klar, indem wir ihn gebadet betrachten, und wir werden erstaunt sein von der besonderen Feinheit des Bergamaskerkopfes.

Zum Fang:
Der Fang endet nicht spitz, sondern ist stumpf, robust und fest, wie er über seine ganze Länge ist, dadurch erlaubt er ein kraftvolles Zupacken.

Zur Nase:
Soll immer groß, tiefschwarz, kalt und feucht sein - mit großen Nasenlöchern.

Zu den Augen:
Die Iris, genauso wie die Haut, die Nase, die Lefzen kann schon von Geburt an depigmentiert sein (angeboren). Der Rückgang der Farbe beruht auf einem Rückgang des Pigments (Melanin), es kann sich um eine Abnahme der Farbintensität handeln, was die Augen heller erscheinen lässt oder um die ungleiche Verteilung der Pigmente in einem kleineren oder größeren Teil der Iris, oder sogar eine komplett depigmentierte Iris mit blauem Auge (Gazzuolo) mono- oder bilateral (wenn beide Augen betroffen sind). Wir reden von einem Gazzuolo (wall-eyed in englisch und varion auf französisch), wenn die Iris die Farbe Blau bis Schiefergrau aufweist und das Auge vollständig von dieser Farbe ist.
In der Kynologie wird eine Depigmentierung in der Regel als Defekt angesehen, insofern es sich um einen Mangel an Pigment handelt, der eine andere Ursache haben kann und auch mit funktionellen Mängeln einher geht, abgesehen davon, dass es sich um eine Abweichung aus ästhetischer Sicht handelt. Die Beurteilung der Schwere des Fehlers hängt von dem Grad der Depigmentierung ab.
Beim Bergamasco tritt eine ganz oder teilweise depigmentierte Iris verbunden mit dem Merle-Gen (Mm oder MM) bei grau-schwarz gefleckten Exemplaren auf. Dieses Gen schränkt in unregelmäßiger Weise die Bereiche der Verteilung der Pigmente in Haut, Fell und Iris ein.

Dieses Gen vererbt sich dominant mit unterschiedlicher Ausprägung:

- MM homozygot Merle mit großen weißen Flecken, Gazzuolo Augen, nicht gestattet
- Mm heterozygot Merle, grau mit schwarzen Flecken
- mm Mono-Farbe, einfarbig

Ein "Gazzuolo"-Auge ist ein disqualifizierender Fehler, auch einseitig, wohingegen ein Auge mit teilweise depigmentierter Iris auf eine Stelle beschränkt, als ein Mangel anzusehen ist, dessen Schwere vom Ausmaß der Depigmentierung abhängt.
Bei einfarbig schwarzen oder grauen Bergamaskern (mm) stellt jedoch das Vorhandensein der vollständigen oder teilweisen Depigmentierung der Iris einen noch schwerwiegenderen, ausschließenden Defekt dar.
Die Hirten haben schon immer die Farbe Merle und das Gazzuolo Auge als ein Charakteristikum des Bergamaskers angesehen, und bevorzugten es als charakteristisches Merkmal der Rasse und es ist außergewöhnlich, dass die Fellfarbe Merle in vielen Hirtenhunderassen neben dem Bergamasker vorhandenen ist (Collie, Bordercollie, Bobtail, Waliser Corgi, Mudi, Pumi, Beauceron, Pyrenäenschäferhund, Schapendoes, Gos d'Atura, Serra de Aires), während es sonst nur in einer Handvoll anderer Rassen existiert.
Vermindert oder verändert ein Gazzuolo oder ein Auge mit wenig pigmentierter Iris das Sehvermögen? Die Antwort ist nein! Zumindest gibt es keine wissenschaftlichen Fakten, und ich persönlich habe viele Hirtenhunde ohne Probleme bis ins hohe Alter arbeiten sehen. Schließlich macht mich die Tatsache, dass die Hirten diese Hunde bevorzugt haben, glauben, dass das Sehvermögen normal ist, da es für die Arbeit der Hütehunde im offenen, unbekannten Gelände unverzichtbar ist.

Zu den Ohren:
Die Ohren sollten nicht zu groß sein. Außerdem sollte das Fell auf ihnen unbedingt luftig ausgekämmt sein und keine Filzplatten oder -schnüre aufweisen- wie es leider oft der Fall ist, weil es spektakulär aussehen kann. Das ist aber im Standard NICHT vorgesehen und führt zu Ohrenerkrankungen wegen schlechter Lüftung der Gehörgänge.

Zum Hals:
Im Showring soll der Hals beim Traben waagrecht und der Kopf auf einer Höhe mit dem Rücken getragen werden – der Hundeführer soll die Leine locker hängen lassen und den Kopf seines Hundes NICHT künstlich hochziehen!

Zum Rumpf:
Es ist nicht einfach im Gebirge, in den Alpen, oder in Flussbetten zu laufen. Der Körper des Bergamaskers muss deshalb konstruiert sein wie für einen beweglichen Hund, befähigt in steilem Gelände zu springen und natürlichen Hindernissen mit Leichtigkeit auszuweichen. Je quadratischer der Rumpf ist, umso besser kann der Hund nach oben schnellen und mit Leichtigkeit springen. Der Rumpf der Rüden ist noch etwas kompakter als der der Hündinnen, die mehr Platz für dieWelpen brauchen, im Standard von 1989 wurde daher die Toleranz von +- 1-2 cm eingeräumt – aber es gilt: je kürzer und kompakter – umso besser!

Zur Kuppe:
Die Linie sollte 20-30% von der Horizontalen abweichen – das ist wichtig für den Schub der Hinterbeine und die Schrittlänge.

Zur Rute:
Die Rute drückt das Temperament und die Gefühle des Hundes aus und dient der Kommunikation – ihre Grundhaltung wird durch die Neigung der Kuppe bestimmt. Im Laufen balanciert die in etwa waagrecht getragene Rute die Bewegung des Hundes aus. Eine deutlich zu hoch getragene (Ringel-)Rute sollte geahndet werden – ebenso eine immer schlaff herab hängende Rute – häufig sind hier (chirurgische) Manipulationen die Ursache.

Zum Fell:
Es ist eine Tatsache, dass die Zotten beim Bergamasker von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer länger wurden – hier muss wieder zu einem gesunden Maß zurückgefunden werden. Richter und Züchter sind hier gleichermaßen in ihrer Verantwortung gefragt.

Oben ist ein hypertypisierter Bergamasker aus den 80er Jahren zu sehen. Das Fell ist nicht standardgemäß, viel zu schwer und zu schwer zu pflegen und behindert dadurch den Hund in seiner Bewegung.

Das Schema recht zeigt, wie ein Bergamasker korrekt zu pflegen ist: Die nicht gefärbten Partien verzotten, die roten sind aufzukämmen und sollten vor allem aus Ziegenhaar bestehen, die grünen Zotten sind zu entfernen.

 

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